Marokko 2015 Motorradrallye

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Dienstag, 9. August 2011

Elektrowuermer und Muecken


Sa, 06.08.



Unser kleiner Ausflug an die östliche Grenze von Kasakhstan nach Kirgisistan hätte sich je spielend verhindern lassen, wenn ich Uwes Aufzeichnungen ein wenig sorgfältiger gelesen hätte. Habe ich aber nicht und so mussten wir einen Umweg von gute 500 km in Kauf nehmen. Ist ja Urlaub.


Allerdings lagen bei dem einen oder anderen deshalb schon mal die Nerven blank. Paul wollte den Umweg gleich noch am selben Tag wieder einfahren, wir anderen sahen das etwas gelassener. Und wenn Helmuts Yamaha sich nicht den Elektroschaden eingefangen hätte, hätte unsere Planung wohl keinen Kratzer abbekommen…


In Almaty haben wir uns erstmal eine neue Batterie für Helis Maschine gekauft in der Hoffnung, damit das Problem beseitigt zu haben. Wir haben einen jungen Almatiner gefunden mit BMW, der einen Batterieladen wusste. Allerdings waren er und sein Kumpel völlig stoned und es waere fast zu einer Serie von Unfällen gekommen, hätte ich nicht dauernd gebrüllt, er solle aufpassen. Lakonische Antwort des Fahrers: “No Problem”, lakonische Antwort der Reifen: Dauergequitsche.


Wir sind dann gleich weiter geeilt Richtung Bishkek und dem einzigen offenen Grenzübergang nach Kirgisistan. Leider hat die Yamaha wieder den ganzen Saft aus der neuen Batterie gezogen und damit war das Problem ernster. Entweder ist die Lichtmaschine defekt oder der Regler oder irgendwo versteckt sich ein Kurzschluss. War in der Kürze der Zeit auch nicht gleich feststellbar. Also haben wir mit ein paar zusammengebundenen Kabeln Helis Batterie an Siggis BMW aufgeladen, damit Helmut wenigstens wieder mobil war.


An der Strasse haben wir dann an einer Raststätte übernachtet. Es gab gutes Essen, eine nette (sogar rennende!!) Bedienung und eiskaltes Bier.

Die Wueste Kasakhstans

Fr, 05.08.


Wer schon die eine oder andere Wüste auf diesem Planeten kennengelernt hat, kann sich etwa ein Bild davon machen, wie es hier aussieht. Temperaturen jenseits der 40º, Trockenheit gegen Null, Staub und Sand fegen bei stärkstem Sturm gegen die Motorräder und beuteln uns so sehr, dass wir alle Nase lang anhalten müssen, um Kräfte zu sammeln.


Wir selbst leiden auch. Siggi hat gestern ein paar Schlucke Kummis (Stutenmilch) zu sich genommen als kleines Gastgeschenk an der Strasse von ein paar Einheimischen, die gerade ein Pferd zerlegten, das kurz vorher bei einer Kollision mit einem Auto getötet wurde. Dieses ungewohnte Getränk in Kombination mit der Hitze haben ihn echt ausgeknockt. Und so hatten wir denn eine längere Pause, damit er wieder zu Kräften kommen konnte.


Helis Motorrad Batterie hat ihren Geist aufgegeben. Jetzt muss die Maschine jedesmal angeschoben werden, in der Hitze auch kein Vergnügen. Siggi hat seine BMW schon zweimal abgelegt, wohl, weil die Maschine so ungewöhnlich schwer ist, aber auch aus Konzentrationsmangel…


Übernachtet haben wir übrigens in einem tollen Canyon an einem Fluss, in den ich jetzt gleich ein zweites Mal hineinspringe…


On the road again

Mi, 03.08.


Almaty liegt hinter uns. Eine schöne Stadt mit euroasiatischem Flair, starken türkischen Einflüssen und bestem Wetter. Wieder einmal interessant war auch, dass ich die Stadt nicht über die Sehenswürdigkeiten kennengelernt habe, sondern über das Instandhalten meines Motorrades. Welche Museen es gibt, welche Paläste, welche Statuen… keine Ahnung. Ich weiss aber, wo der Cargobereich des Internationalen Flughafens ist, die BMW-Zentrale und der Hinterhofschrauber. Dazu alle Anfahrtswege, die Supermärkte in deren Nähe, die Hochdruckwaschanlage und die Bierschütte, wo abends unsere Erfolge gefeiert wurden. Dabei lernt man auch sehr gut das tägliche Leben der Bewohner kennen, deren Charakter, deren Sorgen und Nöte und deren Improvisationstalent bei der Verwaltung von Mangel.




Gegen 13:oo h haben wir uns aus Almaty verabschiedet. Ich habe wieder mal das GPS geschlagen, das
uns Gott-weiss-wohin geführt hätte. Ich bin einfach meinem Instinkt gefolgt und habe uns zielsicher aus
der Stadt geführt. Erstmalig haben wir auch mit Hitzegraden jenseits unserer Körpertemperatur zu tun
gehabt. Das ist eine zusätzliche Belastung, die ich in meinem Alter nicht unterschätzen darf. Wir müssen
uns zwingen, noch mehr zu trinken. Mein Camelbag auf dem Rücken ist glücklicherweise immer
erältlich, meine Kollegen müssen dazu immer anhalten…


Wir haben einen Nationalpark gesucht, in dem es eine “Singende Düne” gibt. Aber leider noch nicht
gefunden. Auf dem Weg sorthin sind wir in einem Dorf gelandet, wo wir von jedem Bewohner mit
Handschlag begrüsst wurden. Interessant. Und ihre Sprache ähnelte erstmalig der türkischen mehr als
der russischen…


Und abends haben wir richtig Camping gemacht mit selbst Kochen, Gitarrenmusik und Vodka.

Wunden lecken

Di, 02.08.

 

Heute sind wir zu BMW gefahren um Reifen zu wechseln, Ölwechel vorzunehmen und mein Federbein zu reparieren. Und Helmut musste ja auch mal langsam zu seinem Motorrad kommen. 


BMW war eine grosse Enttäuschung. Man hat uns lange warten lassen, uns dann erzählt, dass eine andere Motorradgruppe ihren Service einen Monat vorher gebucht hatte, als ob ich geahnt hätte, dass mein Federbein kurz vor Almaty aufgeben würde… Ein netter, selbst Motorrad fahrender Mechaniker von BMW, hat uns dann zu einer Freien Klitsche geführt, und dort haben wir bekommen, was wir gesucht hatten. Siggi und Paul sind mit ihrem Service fertig, ich habe morgen meinen Termin.


Mit Heli bin ich dann bei unsäglichen 38º zum Airport gefahren, um zu schauen, was die Yamaha denn so macht. Blöd, wenn man die Sprache denn so gar nicht kann… Irgendwie war jedoch klar, dass das Flugzeug gerade entladen wurde und wir morgen wiederkommen sollten. Werden wir machen.

Ich hadere mal wieder mit dem Internet. Jetzt kann ich immerhin meine E-Mails lesen und auch mal den Spiegel und Facebook. Aber warum ich meinen Blog nicht öffnen kann, erschliesst sich mir nicht. Ich bleibe jedenfalls weiter am Ball und werde alles nachholen, war ich bisher versäumt habe…



Almaty ist eine lebendige Stadt. Eine Millionenstadt mit westlichem Flair, was aber sicher nur für die Innenstadt gilt. Junge Menschen machen Strassenmusik in  der Fussgängerzone, ältere Menschen (wir) sitzen in einer Open-Air-Kneipe gleich nebenan bei Kebab und Bier. Interessant am Rande: obwohl hier jeder auf Walter Röhrl macht, wird diszipliniert geblinkt und an Gleisen und Fussgängerüberwegen strikt angehalten. Wer hätte das denn gedacht, dass die Kasakhen da den Amis weit voraus sind…



Almighty Almaty

Di, 02.08.



Das letzte Drittel meiner Reise nach Hause hat begonnen. Mit der Ankunft in Almaty geht ein sehr interessanter Streckenabschnitt zu Ende. Sibirien, dieser Koloss von einer Landmasse, ist für mich immer noch unbegreifbar. Kaum bewohnt, langweilig erscheinend, muss es da aber doch etwas geben, was die Reise dorthin interessant macht. Da sollen enorme Bodenschätze ruhen, da muss es Luchse, Tiger und Bären geben… gesehen habe ich von all dem nichts. Ich habe über Sibirien immer nur im Zusammenhang mit “Gulag” gehört…


Vor Almaty stand jedoch noch eine weitere harte Tagesetappe vom Norden Kasakhstans bis in diese vibrierende Metropole. Ich habe es tatsächlich geschafft, ein Federbein aufzurauchen. Ohne eine vernünftige Reparatur traue ich mich nicht in den Pamir, sollen die Strassen dort doch auch wieder mörderisch sein. Zudem häufen sich die Aussetzer, jetzt schon bei vollem Tank, wahrscheinlich wegen der grossen Hitze.
Kurz vor Almaty sind wir dann noch wegen zu schnellen Fahrens von den Cops angehalten worden, tatsächlich zum ersten Mal in meiner Motorradkarriere. Gezahlt haben wir aber nichts, ging also glimpflich aus…


Die Einfahrt in Almaty gestaltete sich äusserst schwierig. Dunkelheit, Unkenntnis der Stadt, überall Rallyefahrer um uns herum… das ist es fast ein Wunder, dass ich das Hotel, in dem Helmut auf uns gewartet hat, gleich gefunden habe, das Navi war jedenfalls nicht hilfreich. Abends noch ein Bier vertilgt und Geschichten ausgetauscht, dann in die Heia.


Und selbstverständlich habe ich nicht Vaters Geburtstag vergessen…