Marokko 2015 Motorradrallye

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Samstag, 15. März 2014

Das Ende der Welt - Ushuaia







Und der sollte ja nun erst in Ushuaia enden. Manchmal ist die Fahrt mit anderen schon ganz gut. Man kann sich austauschen, sich gegenseitig fotografieren, und mal das Motorrad aufheben, wenn jemand gestürzt war.






Wie Carrol, die jetzt ein dickes Knie hat und eine Schramme an der Hüfte. Das Motorrad ist weitestgehend intakt, hier eine Beule, da ein abgerissener Blinker, dort beschädigte Sturzteile. Ging alles in allem gliempflich aus. Die Arme hat wohl mit ausgeschaltetem ABS mit 80 km/h in den Schotter hineingebremst und dabei das Vorderrad blockiert. Auch für sie kommt damit heute der Ruhetag ziemlich günstig. 










Kurz vor Ushuaia drohte dann das ersehnte Ziel doch noch in unerreichbare Ferne zu rücken. Der letzte Pass über 450 Meter war in Schneewolken gehüllt. Schnee an sich macht uns ja nicht soo viel, aber die Temperaturen sanken auf 0°. Und da hier wohl nicht gestreut wird, war die Weiterfahrt so 50 Kilometer vor dem Ziel echt gefährdet. 



Ging gerade nochmal gut. Übrigens hat sich die Landschaft sehr zum Vorteil verändert. Es gibt wieder Bäume und ein paar nette Seen. 




Am Ortsschild gab’s dann den wohlverdienten Jubel und das obligatorische Photoshooting. Jetzt relaxen wir in einer ebenfalls sündhaft teuren Herberge und haben uns gestern zur Feier des Tages eine Flasche Rotwein mit Kingcrabsalat und anschliessender Seafoodpasta gegönnt. Hatte ich schon erwähnt, dass hier alles sündhaft teuer ist?

Abend in Ushuaia


Der Sprung nach Feuerland, 14.03.2014






Als ich morgens um 7 meine Siebensachen packen wollte, und schon dachte, der frühe Vogel fängt den Wurm, waren meine Nachbarn schon längst über alle Berge. Keine Ahnung, wo der gemeine Rucksackreisende so früh schon hin will... Ich jedenfalls habe nach erneutem Scheitern mit dem Upload meines Blogs das Weite gesucht Richtung Feuerland. 

manche Gasthaeuser sin detwas schlicht mit hohem Anspruch

 Im südlichsten Patagonien musste ich wieder erbärmlich gegen den Sturm ankämpfen und wer denkt, es gäbe sonst nichts ausser eben dem Wind, der hat recht. Durchaus vergleichbar mit Sibirien, was die Eintönigkeit angeht, wennauch nirgends eine Birke zu finden ist. 




Nur Guanakos und zum erstenmal auch ein Fuchs. Rio Gallegos am Atlantik schon ist ausgesprochen unattraktiv, eine reine Ölstadt und ein Versorgungskaff, dazu mit grossem Armeebestand. Von hier wurde der Falklandkrieg in den Achtzigern geführt, jetzt stehen immen noch bemannte Panzer am Ortsausgang Richtung Süden gerichtet, wohl weniger wegen eines erneuten Scharmützels mit England , als vielmehr, um die Chilenen abzuschrecken. 



So wachsen denn die Kinder hier gleich mal mit einem Feindbild mehr auf. 






Dann muss man wieder über die Grenze nach Chile und wird kurz an der Fähre nach Feuerland aufgehalten. Hier ist die Magellanstrasse sehr schmal und die Überfahrt dauerte nur 30 Minuten. Und war kostenlos. 

immerhin mit Regenwalddusche und Jetbeams


In Cerro Sombrero ergatterte ich dann das letzte Zimmer, was einerseits ein Segen war, weil das die einzige Herberge in der Region war, andererseits aber auch horrend teuer. Tsss, die Monopolisten... Hier traf ich dann auf Darren aus Schottland und auf Carrol aus London. Gaaanz nette Leute und so verabredeten wir uns zur gemeinsamen Weiterfahrt am nächsten Tag.


Der Perito Moreno Gletscher, 13.03.2014






da ist gerade ein Brocken Eis ins Wasser gesprengt worden



Nur ein paar Kilometer um die Ecke liegt El Calafate, Ausgangsort für den Besuch im Nationalpark Perito Moreno. Dort befindet sich der monumentale gleichnamige Gletscher, der eine überwältigende Wirkung auf die Besucher hat. Jedenfalls auf mich. Ebenfalls grosses Kino und höchstens 50 Meter von mir weg. 



Toll, dass die Argentinier auf dem vorgelagerten Hügel Boardwalks errichtet haben, damit man wirklich ganz nah ran kam. Und wenn dann noch ein Eisberg kalbt... In El Calafate traf ich dann auch völlig überraschend David wieder, den ich mit Martina schon mit seiner Freundin Mira in Ciudad del Este in einem Hostel kennengelernt hatte. Kleine Welt...   



El Calafate selbst ist ein geradezu mondäner Ort mit allem, was der gemeine Tourist so braucht. Selbst eine H7 Glühbirne habe ich dort gefunden: made in Germany. Die hohen Preise haben sich übrigens irgendwie hier festgesetzt. Alles ist teuer, teurer als daheim, ausser das Benzin.



Man sollte jedenfalls nie vergessen, der Schutzheiligen der fahrensleute, der Difunta, gelegentlich in Form von kleinen Opfern zu huldigen.

Fitz Roy, der Unbezwingbare, 12.03.2014

80 km/h sind Windstaerke 9





Von Perito Moreno bis zum Fitz Roy sind es etwa 650 km. Ich wollte das unbedingt an einem Tag schaffen, schon, weil es nichts Attraktives zu sehen gab auf dem Weg dahin, es sei denn, man findet in den allgegenwärtigen Zäunen an den Strassen erhängte Guanakos erwähnenswert. Auch der Wind, der nun mit etwa 80 Kilometern von der Seite bliess, hatte nur noch genervt. Auf der Piste gab es verschiedene Phänomene zu erfahren. Wenn ich mal gelegentlich Rückenwind hatte, fühlte ich mich wie im Auge eines Wirbelsturms. Keine Geräusche ausser denen des Motors drangen an meine Ohren. 




Aber dann hat mich auch immer der Staub überholt und mich geradezu blind gemacht. Kam der Wind von vorn, habe ich einfach mal schlappe 10 Liter auf 100 km verbraucht. Und als der Wind von der Seite kam, hat er nichts unversucht gelassen, mich von der Fahrspur auf die Pistanmitte zu drücken, wo mich dann der allergröbste Kies empfing. 



Aus der Phase habe ich auch nun die sehr schmerzhaften Blasen an der rechten Hand, weil ich einerseits völlig verkrampft die Fahrspur halten musste, andererseits auch immer mit an sich schon schwierigen Verhältnissen wie Wellblech und Schlaglöcher zu kämpfen hatte. 





Je näher ich dann dem Fitz Roy und seinen Bergkollegen kam, desto stärker hellte sich meine Stimmung auf. Irres Panorama, grosses Kino. Das war eines der ganz grossen Highlights dieser Reise, da war ich mir sicher. Der Fitz Roy gilt unter Bergsteigern als einer der am schwierigsten zu besteigenden Berge, da er so absolut steil aus dem Nichts aufzuragen scheint. Die Stadt liegt auf etwa 300 Metern Höhe, der Berg misst 3.405 Meter. Der Ort El Chalten hat übrigens alle Annehmlichkeiten eines modernen Touristenortes zu bieten. Neben Bankautomat und Kreditkartenzahlung gute Hostels und hohe Preise.