Marokko 2015 Motorradrallye

München +++ Monaco +++ Marrakesch

Sonntag, 24. Mai 2015

wo Afrika Europa so nah ist...



Die Nacht von Cullera brachte einige Kuriositäten mit sich. Martina hatte mich mehrfach angestossen und damit geweckt, weil sie mich für den Schnarcher hielt, anstatt Marco, der 2 Meter weiter in seinem Unterstand das Gaumensegel gehisst hatte. Damit wurde die Nacht für mich zu einer sehr oberflächlichen Angelegenheit.






Der Tag begann erstmal mit dem morgentlichen Navisynchronisieren. Nicht, dass das einfach gemacht wird und dann ist Ruhe für den Tag... da kann man weitaus mehr Zeit mit verbringen, als anschliessend gefahren wird.




In Andalusien wird weitaus mehr angebaut als nur Olivenbäume oder Getreide. Strom zum Beispiel auch. Ungezählte Windräder wandeln Luft in Volt um und die quadratkilometergrossen Sonnenkollektorfelder machen aus unserem nächsten Fixstern Strom. Gerissen, die Jungs hier...





Burgen in unterschiedlicher Unversehrtheit künden ein aufs andere Mal von Zeiten, wo Wenige viel hatten und immer mehr wollten, die Fürsten und Grafen nämlich, und Viele nix hatten und ihrem Lehnsherren davon auch noch das meiste abgeben mussten... Tsss, ist ja geradezu genauso wie heute...


Abends haben wir dann den Tag beim Italiener in Aguilas ausklingen lassen. Genaugenommen sind wir in unserer Suite für sechs Personen beim Briefing für den nächsten Tag praktisch bewusstlos geworden vor Erschöpfung.


Am nächsten Tag ging es erstmal in die falsche Richtung, weil die Navis mittlerweile die Herrschaft über unser autonomes Denken übernommen hatten. Interessant, wie lange es in einer Gruppe von immerhin 6 Leuten dauert, bis sich einer traut, die Kompetenz der kleinen GPS-Teufel  anzuzweifeln und den Jahrtausende alten Vorläufer, den Sonnenstand, zu Rate zu ziehen... 







Durch kleine andalusische Hochlandsträsschen ging es dann nach Granada.  In der Nähe lag der Pico de Veleta. Über 3000 Meter hoch sollten wir ihn überfahren, was uns Mordspunkte eingebracht hätte. Blöd nur, dass eine Schranke den Weg versperrte. So mussten wir die Piste wieder zurück fahren.  Gewundert hat uns eigentlich nur, dass einige der Rallyeteilnehmer glaubten, diese Sperrung gelte ausgerechnet für sie nicht. Die fatale Folge war, dass ein Kandidat seine Maschine in einer Schlucht versenkte. Glücklicherweise war ihm nichts passiert, die Rallye ist für ihn allerdings vorbei.



Also auf nach Granada.  Die Aufgabenstellung der Rallyeleitung sah ein Bild vor mit der Alhambra im Hintergrund und uns mit Motorrädern davor. Gar nicht so einfach, weil wir den richtigen Standort dafür einfach nicht finden konnten. Aber wir sind zäh und haben doch noch ein passendes Foto geschossen.




Der Morgen danach stand ganz im Zeichen von Andreas, Marcos und meiner Frühfahrt nochmal zum Pico, diesmal auf der anderen geteerten Seite, in der Hoffnung, jetzt wenigstens bis zum Gipfel fahren zu können. Nix da. Wieder gesperrt. Also zurück zu den Anderen und ab dafür nach Algeciras, dem Fährhafen nach Tanger Med in Marokko. Die Fahrt war unspektakulär. Starke Winde wurden prognostiziert, die dann aber ausblieben. Die Temperaturen lagen jetzt ein wenig über 20 Centigrade. Und das, obwohl wir eine Woche vorher schon in so etwas wie der spanischen Bildzeitung mit einigen Hitzetoten angebrüllt wurden.




Das Ausschiffen aus Europa nach Afrika gestaltete sich äusserst übersichtlich. Sicher war die Wahl des Wochentages, nämlich der Samstag, ein Grund für die merkwürdige Zurückhaltung jeglicher Reiseaktivitäten bei Christen aller Konfessionen, war das doch auch der Tag vor Pfingsten. Und dem Moslem war’s eh egal.




Die 14 Kilometer, die die Strasse von Gibraltar an ihrer engsten Stelle misst, waren schnell zurückgelegt und die gefürchtete Einreise nach Marokko war in wenigen Minuten erledigt. Da kannste mal sehen. Während wir früher bei unseren Autoschiebereinreisen wichtige Lebenszeit vor noch wichtigeren Zöllnern verbrachten, ist das heute eine Sache von ein paar Augenblicken und gut is.


Ein Hotel war schnell gefunden und es spricht für die Flexibilität des Managements, dass sie auch immer gleich eineinhalb Dutzend Motorradfahrern Herberge bieten konnten.  Wo es doch die ganze Nacht wie aus Kübeln gegossen hatte...





Heute sind wir dann auf kleinen Strassen durch den Norden von Marokko gezuckelt und haben uns ein Klischee nach dem anderen gegeben. Schafherden, Rifgebirge, Strassenschilder in ausländisch usw. Den ganzen Tag dachten wir, es würde regnen, haben wir doch immer in der Nähe dunkelste Wolken aus Westen auf uns zukommen gesehen. Am Etappenziel in Fes dann gab der Himmel wirklich alles. Wir standen eine halbe Stunde in diesem Wolkenbruch, bis wir uns trotzig auf den Weg zum Hotel machten. Dabei sind wir durch bis zu 30 cm tief überschwemmte Strassen gefahren, bis nun  wirklich alles komplett nass war. Jetzt wollen wir mal sehen, was eine Klimaanlage im Hotelzimmer an Wasser wegtrocknen kann. Morgen soll es nämlich wieder gallern und trockene Stiefel wären schon toll...




Mittwoch, 20. Mai 2015

Wetterkapriolen in den Pyrenaeen







Von Apt ging es über Arles durch die Camargue. Oft gehört, nie dagewesen, hat mich die Landschaft sofort fasziniert. Man kommt gar nicht umhin, die Wildpferde zu bestaunen; die noch anmutigen Stiere zu bewundern, bis sie in den Stierkampfarenen auf die todesmutigen Matadore losgelassen werden und den Flamingos beim Unterwasserfuttern zuzuschauen.




 
In der Nähe von Beziers sollten wir dann ein Bild einer Kathedrale machen, etwas über ihre Geschichte herausfinden, die im letzten Jahrhundert auch nochmal von der deutschen SS geprägt wurde.







Unsere Picknicks können sich übrigens echt sehen lassen. Käse, Wurst, Oliven und Baguette... mehr braucht’s nicht.



Carcassonne und die Burg sind schon mal Kulturerbe. Rallye-Martin fragte dann auch gleich in dem Abendquiz,  von welcher Organisation: UNO, NATO, UNESCO oder WHO. Mal abgesehen davon, dass die Burg wunderschön ist, lautet die Antwort natürlich NASA. Unser Abendspaziergang zur Kneipe führte nochmal über die komplette Anlage mit all ihrer überwältigenden Schönheit. Wieviel Sklaven und einfache Leute für diesen Bau vor einigen Jahrhunderten dafür wohl ins Gras beissen mussten...?



Am nächsten Morgen dann der Hammer: Regen ohne Ende. Gerade haben wir noch geschafft, Bilder von den Baguettes in unserer Hand zu schiessen, da öffneten sich alle Schleusen und haben uns alle an die Sintflut denken lassen, oder an Hurrican Katrina und einmal fiel wohl auch das Wort “Weltuntergang”. Und das, wo uns doch heute die Durchfahrt durch den Pyrenäen-Staat Andorra blühte. Wir sind noch ein paar Pässe gefahren, um noch einige Punkte zu sammeln, eine wahre Freude war das bei dem Regen allerdings nicht. 




Nun ja, Andorra selbst haben wir folgerichtig auch nicht erreicht. An dem Grenzhäuschen haben wir umgedreht, weil Schnee und Graupel einfach nicht gut passen zum geschmeidigen Serpentinenwedeln.

Abends waren wir mit unseren Nerven dann völlig am Ende. Rasch gefuttert, einige Pilse inhaliert und ab in die Falle. Ich habe noch verzweifelt versucht, mit dem Fön meine Handschuhe zu trocknen... zwecklos.



Heute Morgen dann Breaking News: Jörg teilte uns mit, er steigt aus der Rallye aus. Zuviel Stress, zuviel Fahrerei ohne die Schönheiten der Region schätzen zu können. Zu anstrengend. So sind wir also noch zu sechst. Den ganzen Tag sind wir dann von einem Ort in der Nähe von Barcelona nach etwas südlich von Valencia gefahren, um rechtzeitig beim Check-in 40 weitere Punkte für das Erreichen dieser Etappe einzufahren.






Jetzt sitze ich hier am Laptop auf dem Campingplatz in der Vorsaison und geniesse die Stille des Alleinseins, nur geschwängert von der entfernten Brandung des Mittelmeers und den frühreifen Grillen. Und gelegentlich unterbrochen vom Tippen in die Tastatur und von Marcos Schnarchen im selbstgebastelten Zelt nebenan.

  

Sonntag, 17. Mai 2015

Oberitalien und Suedfrankreich







In Sterzing war unsere Freude nach dem Blick auf das Barometer eher leicht getrübt. Das Instrument verspricht Sonne, tatsächlich hat es geschüttet wie Sau. Nun  ja, es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung, mögen einige da sagen...  Nach Stunden im Regen mit wechselseitig beschlagenem Visier oder Brille, feuchtkalten Füssen und zum Teil gefährlich glitschigen Strassen, habe ich da ja eine andere Meinung zu...





Dennoch, irgendwann sind wir also in Riva del Garda eingetroffen und da es bei unserer Ankunft gleich das nächste Gewitter gab, haben wir uns gleich im Hotel gegenüber des Campingplatzes eingemietet. Eine kluge Entscheidung. 



Beim Abladen des Gepacks ist mir gleich mal der Helm auf den Betonboden gefallen und dabei brach das Visier ab. Mist. Glücklicherweise habe ich mit meinen wennauch begrenzten Mitteln ein bis jetzt gut funktionierendes Provisorium zurechtgebastelt, dass ich die leise Hoffnung nähre, das mag wohl bis zum Ende der Reise halten.


Der nächste Tag begann mit einer Menge Sonnenschein und Temperaturen, die wir Norddeutschen durchaus als frühlingshaft bezeichnen würden. Rasch wurde noch ein Picknick eingekauft und schon ging es entlang des Lago di Garda, durch die Poebene, der Lombardei und den Seealpen nach Finale Ligure.




Das war heute der erste Tag der Rallye, der für die Wertung gezählt hat, nachdem der gestrige Tag ja dem Regengott Neptun geopfert wurde. Also sind wir fleissig Pässe gefahren, haben Fotos  von der alten Steinbrücke in Bobbio gemacht und von uns mit Zypressen im Vordergrund an den Ufern des Gardasees. Keine leichte Übung mit einer 7-köpfigen Gruppe.






Und weil wir noch nicht genau wussten, wer welchen Fahrstil und welche Geschwindigkeit und überhaupt wieviel Disziplin einzubringen bereit ist, haben wir uns dann auch am späten Nachmittag aus den Augen verloren. War nicht so dramatisch, weil meine Gruppe mit Peter und Martina noch vollzählig war und so sind wir exakt 2 Minuten vor Check-in Schluss am Ziel in Finale Ligure eingetroffen. Die andere Gruppe hat auf die erwarteten Punkte für rechtzeitiges Erreichen des Ziels verzichten müssen.




Das Gute ist ja, dass man alles wieder aufholen kann. So sind wir heute gegen 8:30 h aufgebrochen von Finale Ligure nach Apt in den Voclusen. Unzählige Kurven in den Seealpen, frühlingshafte Düfte nach Kräutern und Ginster haben unsere Sinne erstmals so richtig auf Touren gebracht. 



Ein Highlight war sicher der Besuch in Monte Carlo. Dort sind die Vorbereitungen für den Grand Prix von Monaco in der Formel 1 in vollem Gange. Unsere Aufgabe im Roadbook lautete, uns vor den Yachten der Milliadäre dieser Welt zu platzieren und Fotos zum Beweis unseres Dagewesenseins zu schiessen.





Dann noch ein paar Pässe und die wunderschöne Fahrt durch die Schlucht des Verdons und vorbei an langen Lavendelfeldern und schon war Tag 2 in der Wertung.  




Morgen geht’s dann in die Camargue.


 uf