Marokko 2015 Motorradrallye

München +++ Monaco +++ Marrakesch

Dienstag, 2. Juni 2015

Marrakesch



Die Rallye ist nun vorbei und das gibt uns erste Gelegenheit, mal ein wenig Sightseeing zu machen. 






Das, was wir da von Marrakesch gesehen haben, war eher eine Mischung aus Las Vegas und Vechtaer Stoppelmarkt. Kleine Äffchen schlagen Purzelbäume, Schlangen würgen Touristenhälse. Marokkanische Folkloregruppen trommeln und Konditoren bieten Honigwerk feil. Und wehe, der gemeine Tourist kauft nichts, sondern schaut nur und fotografiert hier und da ein Bildchen zur bleibenden Erinnerung an Marokko, “wie es wirklich ist”, dann ist flugs einer da, der das auch noch bezahlt haben will. 




Traumquoten in Sachen Auslastung haben die Restaurants kurz vor Sonnenuntergang auf ihren Dachterassen. Ist aber auch schön. Dabei kann das Essen praktisch so mies sein wie es will, so wie in unserem Fall zum Beispiel... 

  

Das Handeln um den besten Preis ist seit Jahrhunderten psychologische Kriegsführung. Wer da nicht wirklich auf zack ist, hat schon verloren und kann zu Hause nicht wirklich mit einem Schnäppchen angeben. 



Und wer partout nichts kaufen will, weil er, wie wir Motorradfahrer, einfach keinen Platz für ein feinziseliertes 6-Personen Teeservice oder einen 5x4 m grossen, von kleinen Kinderhänden geknüpften, Teppich hat, der muss schon im Vorfeld seine Nichtabsicht grob genug vertreten, um ernst genommen zu werden.

Was ich hier ein wenig flapsig vielleicht beschrieben habe, gilt übrigens für wohl alle Touristenmetropolen weltweit. Man muss eben Bedarf wecken mit dem, was es in der Region gibt.



Interessanterweise hat eine Weltfussballauswahl  ausgerechnet in Marrakesch ihr Trainingscamp bezogen. Und alle schlendern genau über den Platz, wo wir gerade eine Coke schlürfen. Messi, Reus, Ibrahimovic, Ribery, Bale, Casillas, Ronaldo, Rooney, Pirlo und noch viele andere Ballkünstler habe ich getroffen. Als ich dann Luca Toni traf, bin ich allerdings ins Grübeln geraten. Und siehe da, die jungen Leute haben nur die Trikots ihrer Vorbilder spazieren getragen.



Wer glaubt, Mercedesse der Baureihe W123, gebaut zwischen Mitte der ‘70er bis Mitte der ‘80er Jahre, seien nur was für Oldtimerafficionados, findet hier reichlich Nahrung für Gegenargumente. Hier fahren noch Tausende davon rum als Taxen. Da hat japanische Massenware einfach keine Chance.



Und wo wir gerade bei Verkehr sind... in dem kleinen Örtchen Bohmte in Niedersachsen  gibt es dieses wahnsinnig innovative Verkehrskonzept “Shared Space”, welches vor etwa 5 Jahren damit weltberühmt wurde, dass ein Kreisverkehr ganz ohne Leitlinien, Schilder und Ampeln auskommen muss, damit sich alle Verkehrteilnehmer vom 40-Tonner bis zur Oma mit dem Kinderwagen der Enkeltochter auf Augenhöhe begegnen. Stand sogar in der Washington Post. Gibt’s hier an jeder Strassenkreuzung. Jeder macht, was er will. Pferdefuhrwerke, Busse, Fussgänger, Moppedfahrer, Autos über Autos, sogar in Gegenrichtung... alles dabei und keine erkennbaren Verkehrsregeln. Und wo ist jetzt die Weltpresse?





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