Marokko 2015 Motorradrallye

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Montag, 11. Juli 2011

Vollbremsung in Ulan-Ude


einfachstes Landleben

Mit Annäherung an den Baikalsee ändert sich die Szenerie deutlich. Die endlose Birkenlandschaft weicht ganz plötzlich einer völlig baumlosen hügeligen Graslandschaft, auf der jetzt immer wieder auch Vieh zu sehen ist. Wer also glaubt, beim kurzgeschorenen Rasen in der Vorstadt handle es sich um den volkseigenen Golfplatz, der irrt.

nach getaner Arbeit

Ich wünschte, ich könnte öfter mein Auge von der Strasse abwenden, um die immer häufiger auftauchenden Ortschaften links und rechts der M 55 zu betrachten, mir die bunter werdenden Häuser und deren Bewohner anzusehen, wie sie ihre Gartenarbeit verrichten oder wie Kinder spielen, aber das wäre fatal, in diesem Falle fast wörtlich zu nehmen. Da schnurrt der Transsibirische Highway für einige Kilometer in scheinbar gutem Zustand dahin, bis plötzlich ein gewaltiges Schlagloch wieder mal anmahnt, dass das hier kein Urlaub ist, sondern Survival. Ich bin BMW froh und dankbar dafür, dass ihr Produkt so belastbar ist. Was noch beunruhigend ist, sind die von LKW in den weichen Asphalt vergangener Sommer eingefahrenen Längsrillen, die sich zu etwa Bordsteinhöhe aufwerfen und Einspurfahrzeugen schon recht gefährlich werden können.

Der Strassenzustand des Transsibirischen Highways ist streckenweise erbaermlich

Einige Schreckmomente hatte ich dann allerdings doch: in der Mitte vom Nirgendwo hatte der Motor, der sonst völlig unbeeindruckt von Spritqualität und Wassermassen vom Himmel seine Arbeit verrichtet, plötzlich Aussetzer. Oje. Was einem da alles durch den Kopf geht… Benzinpumpe defekt, Blackbox hinüber, Möglichkeiten gibt es viele, keine davon angenehm. Es stellte sich heraus, dass eine Tankfüllung wohl ein wenig Wasser enthielt. Nach dem nächsten Tanken waren die Aussetzer verschwunden.

Ostsibirischer Rockerclub auf Anfahrt zum Motorradtreff am Baikalsee

In Ulan Ude, übrigens zwei von mir in zwei Tagen erfahrene Zeitzonen weiter westlich liegende Grossstadt nicht weit vom Baikalsee entfernt, sieht man dann doch die Nähe zur Mongolei und zu China. Die Leute sehen erwartungsgemäss exotisch aus. Immer wieder überrascht mich, dass im hinterletzten, von der Zivilisation eher dürftig bedachten Dorf, jemand ein wenig englisch spricht und sogar einige Brocken deutsch. Wahrscheinlich Soldat in der ExDDR gewesen…

Gemuesesuppe... Borsch, kann man auch gern 2 Teller von essen...

Jetzt liegen 3.600 km seit Vladivostok hinter mir, die ich im vier Tagen runtergenudelt habe. Mensch und Maschine sind wohlauf und heute werde ich der mongolischen Botschaft einen Besuch abstatten…

hinter mir die mongolische Botschaft, die eine Woche Party macht

Wovon ich gerade zurückkehre. Doch oh Graus… Njema nischda Visa… Wegen des Nadaam-Festes ist die Botschaft eine Woche geschlossen. Mist. Da hätte ich gar nicht so rasen müssen. Andererseits habe ich ja auch nicht viel verpasst beim Kuckuck Zuhören im Birkenwald…

Ulan-Ude ist eine schoene Stadt

Ich muss mich also eine Woche irgendwie beschäftigen und werde die Gelegenheit nutzen, mir den Baikalsee anzuschauen und meine Klamotten auf Vordermann zu bringen. Ich habe fast den Eindruck, man müsste sie durchs Internet riechen können… Ausserdem muss meine Maschine so vorbereitet werden, dass ich die Mongolei und die weiteren Stan-Länder befahren kann. Da hat sich doch tatsächlich am Scheinwerfer eine Schraube gelöst… In Ulan Bator werde ich mich jetzt nicht mehr lange aufhalten können, wenn Uwe mir nicht davoneilen soll.

Sonderparkplatz fuer meine Maschine

Ich muss aber mal sagen, dass bisher alles auf dieser Reise, incl. des amerikanischen Teils, ausgesprochen gut geklappt hat. Martina hat mir gerade noch mitgeteilt, dass das koreanische Hauptzollamt meine Sicherheitsleistung von deutlich mehr als 1,000.- Euro auf mein Konto zurücküberwiesen hat. Daran hätte ich nie geglaubt…

Hier gibt's als Willkommensgruss keine Flasche Wasser oder einen Schokoriegel, sondern eine Schachtel Zigaretten

Morgen werde ich umziehen zu Denis (mit einem “n”). Denis ist aus Ulan-Ude und hat seine Wohnung direkt am Lenin-Square umgebaut zu einem Hostel mit Waschmaschine, WiFi, Küche, Gitarre und was man sonst noch so zum Leben braucht… Parken kann ich die BMW im Hotel nebenan. Kostet alles grad mal die Hälfte von dieser Luxuskaschemme hier (wo ich gerade ein kriechendes Insekt in die ewigen Jagdgründe befördert habe…). Allerdings war das Frühstück eine Wucht. Cornflakes, Ei und Tee in unbegrenzter Menge…

Mein Buffet. Ist doch sonst ein Mensch da...

Ausserdem muss ich mal Schlaf nachholen…

Kommentare:

  1. Hallo Harti,
    klasse Report. Du müsstest kurz hinter zwei Engländern sein (Mark und Martin), die 3 Wochen auf ihre BMW's 1150 in Vlad warten mussten, welche sie per Seefracht von Seattle verschifft hatten.

    Ist die Benzinkrise in der Mongolei überstanden? Weiterhin gute und sichere Reise.

    Thomas

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  2. Hallo Thomas, wer immer auch jetzt kurz vor mir ist... durch das Nadaam-Fest an der Beschaffung des Visums gehindert, rauschen die jetzt alle an mir vorbei... vielleicht hole ich sie spaeter noch in UB ein... von Benzinkrise habe ich bisher nichts gehoert, will aber gar nichts heissen.

    Nett, dass du meinen Blog verfolgst. Weiter so.

    Hartmut

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